Industrie- und Logistik Marktbericht Frühjahr 2026

A nna-Viktoria Wiedner (VGP) „Das ist so ein bisschen meine Sorge, wie wettbewerbsfähig Österreich im inter- nationalen Umfeld ist." Ein europäischer Großkonzern, der sich vor eine Europakarte setze, finde in Österreich schwierige Bewilligungsverfahren und teure Lohnkosten, ringsum alternative, günstigere Standorte mit vergleich- barer Stabilität. Das gelte nicht in erster Linie für den Wettbewerb der Entwickler untereinander, sondern für die Positionierung Österreichs gegenüber seinen Nach- barländern. R omano Tafaj (EQT) , der auch Deutschland mitbetreut, bestätigt den Dynamikunterschied: „In Deutschland baut man günstiger, man hat mehr Investoren beim Exit und einen potenziell größeren Mieterpool – da passiert schon noch deutlich mehr." Selbst in schwierigen deutschen Teilmärkten wie Leipzig gebe es laufend kurzfristige Inte- rim-Vermietungen, während vergleichbare Lagen am Wiener Markt „seit Monaten Ruhe" zeigten. Gerade der Baukostenunterschied sei gravierend und lasse sich in Österreich nur schwer über Mietwachstum kompensie- ren. Multi-Level: Geschäfts- modell für Österreich? Mehrstöckige Logistik – sehen Sie darin ein tragfähiges Geschäftsmodell? Fabian Weyss (DLH) bringt das wirtschaftliche Dilemma auf den Punkt. Kaum ein Nutzer werde sich darauf ein- lassen, im ersten Stockwerk „für die Hälfte der Traglast dieselbe fast zweistellige Miete auf dem Quadratmeter zu zahlen. Das ist eine Story – und wir sind ja alle Storyteller –, aber die ist schwer zu erzählen." Solange die Grund- stückspreise nicht in die Dimensionen von London, Ham- burg oder Tokio rücken, werde sich Mehrgeschossigkeit in Österreich im Fremdvermietungsmodell kaum rechnen.

Armen Gevorkian (Propel) unterstreicht das Problem aus der Nutzerperspektive: „In der Drittverwendungsfähigkeit sind die Flächen ein Nightmare." Der Stützenraster, die Bodenbelastbarkeit, die eingeschränkte Andienung – all das mache die Halle im Exit-Szenario zum Ladenhüter. Sinnvoll sei Multi-Level allenfalls dort, wo urbane Klein- teiligkeit, geringere Traglasten und knappe Grundstücke zusammenträfen. In Österreich ist das derzeit die Aus- nahme: Alexandra Puchner (Panattoni) berichtet von einem konkreten Projekt, das man wegen genau dieser Kostenrechnung lieber gar nicht realisiert habe, obwohl die Gemeinde die Mehrstöckigkeit eingefordert hätte. Brownfields, Brachen und der Umgang mit dem Bestand Werden Brownfields und Brachflächen das Bauen auf der grünen Wiese perspektivisch ablösen? Alexandra Puchner (Panattoni) warnt vor zu viel Optimis- mus in der politischen Diskussion. Sie hat die letzten drei Brownfield-Erhebungen in Oberösterreich mitverantwor- tet: „Der Großteil der Befragten habe angeben, dass keine Verkaufsbereitschaft vorhanden ist. Zusätzlich enthalte der bundesweite Brownfield-Monitor sehr großzügig gerechnete Flächen, von denen ein erheblicher Teil bau- lich schwer nutzbar sei – darunter Zuschnitte mit Liegen- schaftsbreiten von teils nur rund zehn Metern. „Da werden Zahlen produziert, die im Detail näher hinterfragt werden sollten.“ Anna-Viktoria Wiedner (VGP) Entscheidend sei künftig die Qualität der Bestandsliegenschaft: „Die infrastrukturellen Rahmenbedingungen eines Brownfield Standortes, wie bspw. bei einem alten Industriestandort, werden insbe- sondere hinsichtlich Energieanschlüsse künftig von mehr

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