Zinshaus Marktbericht Frühjahr 2026

Stiegenhaus eines Gründerzeit-Zinshauses - Baujahr 1881

Für die Spätgründerzeit charakteristisch war der Doppel- trakter, der bei tiefen Parzellen auch mehrfach hinter- einander gekoppelt sein konnte. In den Vororten war der Straßentrakter der am stärksten vertretene Zinshaustyp, während in den inneren Bezirken ein neuer Bautyp ent- stand: der Straßenhof mit zurückversetztem Mittelteil– ein später Nachfahre des barocken Ehrenhofes. Neben die altdeutsche Formenwelt trat bald jene des heimischen Barock, was dem Verlangen nach gesteigertem Prunk entgegenkam. Eine zunehmende Tendenz zur Vertikalität, Asymmetrie und Kopflastigkeit herrschte in diesem Zeit- abschnitt vor, wobei der sich um die Jahrhundertwende entfaltende Jugendstil mit dem Späthistorismus Mischung- en einging, die oft zu originellen Schöpfungen führten.

wurden zu Lichtschächten reduziert. Prächtige Fassaden sollten über den niedrigen Standard der Häuser hinweg- täuschen und die Vermietbarkeit verbessern – unge- schmückte Häuser wurden schon damals schlechter vom Markt angenommen.

Mindeststandards

Die großflächige Bebauung der Vorstädte wurde durch die Entwicklung leistungsfähiger Massenverkehrsmittel begünstigt: Die Straßenbahn bildete ab etwa 1865 eine Verbindung zwischen der Stadt und den Vororten, die 1890 eingemeindet wurden. Der Wohnraumbedarf der dort lebenden Arbeiterfamilien war enorm. Die Errichtung von kleinen, erschwinglichen Wohnungen wurde daher gefördert, wobei gewisse Mindeststandards einzuhalten waren; zum Beispiel der Verzicht auf Souterrainwohnun- gen oder die Bereitstellung der Wasserversorgung auf jedem Stockwerk. Um die Bodenrendite dennoch zu er- halten, wurde der mögliche Bebauungsgrad auf 85 Pro- zent des Grundstücks angehoben, das heißt, die Höfe

Diese meist gusseiserne Konstruktion wurde früher für das Abstellen von Kohlensäcken verwendet.

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