Ausblick: Wohin geht die Reise?
Peter Falb (MLP) fokussiert sein Unternehmen klar auf Wien und kleinstrukturierte Gewerbeparks mit City-Lo- gistik-Charakter – weg von der klassischen Big Box. Romano Tafaj (EQT) geht davon aus, dass sich auch die derzeit leer stehenden B-Lagen rund um Wien mit der Zeit wieder füllen werden, schlicht weil Neubau perspektivisch teurer werde und günstig gebaute Bestandsflächen damit zusehends kompetitiver positioniert seien. Armen Gevorkian (Propel) konsolidiert für die nächsten Jahre auf den Standort Wien und wünscht sich von der Politik „nicht unbedingt Unterstützung, aber einen Dialog darüber, wie wichtig diese Immobilien für die Grundinfra- struktur sind". Franz Kastner (GARBE) bringt die gemeinsame Linie auf den Punkt: „Es wird zunehmend wichtiger, den Nutzer zu kennen – nicht nur den Namen, sondern was steckt am Bedarf dahinter." Die reine Big-Box-Fläche allein werde es künftig nicht mehr sein; gefragt seien Flexibilität am Ge- bäude, unterschiedliche Größen und unter Umständen auch unterschiedliche Nutzungsarten unter einem Dach. Jakob Hoyos (AYKA ParX) schließt sich an und erwartet, dass der Neubau kurz- bis mittelfristig v.a. im Segment Big Box verhalten bleibt. „Entwicklungskonzepte mit kleineren Mieteinheiten, sprich Gewerbeparks, werden eine größere Rolle spielen und für solche Projekte kommen Standorte in bzw. nahe urbanen Ballungszentren in Frage.“
Caroline Samwald (CTP) setzt auf Geduld: „Wir haben es alle im ersten Semester Immobilienmanagement gelernt – den Schweinezyklus. Und da darf man nicht zu früh den Kopf in den Sand stecken." Entscheidend sei, stärker auf Mieter zuzugehen und mehr Flexibilität an den Tag zu legen. Andreas Liebsch (Go Asset) erwartet, dass großflächige Logistikflächen zurückkehren werden – „aber nicht mehr in dem Ausmaß, wie sie früher waren". Kleinteiligere Ge- werbeparks werde es dafür vermehrt geben. Alexandra Puchner (Panattoni) rät trotz der angespann- ten Lage, strategisch jetzt gute A-Lagen zu sichern, weil in zwei bis drei Jahren wieder Aufschwung komme – „aller- dings nicht in den Größen wie in der Vergangenheit, es wird mehr Flexibilität benötigt werden.“ Fabian Weyss (DLH) erwartet eine Trendumkehr: „Wir werden wieder mehr Vermietung haben als Neubauflä- chen, einfach weil sich das alles ausgebremst hat." Gleich- zeitig werde die Branche neue Produkte stärker mitdenken müssen. Anna-Viktoria Wiedner (VGP) warnt vor der einfachen Antwort: „Es lässt sich unsere Landschaft nicht in einem Satz festhalten." Der Markt spitze sich zu, und je nachdem, auf welcher Spitze man sich befinde, werde man unter- schiedlich agieren müssen. „Jedenfalls müssen wir unse- ren Optimismus, unser Engagement und unsere Begeisterung behalten."
Kernbotschaft der Runde:
Der Nachfrageeinbruch infolge schwacher Konjunktur trifft auf eine Pipeline, die in den Boom- jahren ambitioniert vorgebaut wurde. Die Entwickler:innen sehen darin keinen dauerhaften Ein- bruch, aber einen nachhaltigen Perspektivenwechsel: Wachstum wird sich reduzieren, es wird vorsichtiger, bewusster und stärker auf die konkreten Nutzer:innen zugeschnitten gebaut werden. Die reine Big Box bleibt relevant, verliert aber an Ausschließlichkeitsanspruch – flexible Gewerbe- parks, urbane Logistik und differenzierte Hallenformate rücken in den Fokus. Multi-Level bleibt in Österreich vorerst die Ausnahme, Brownfield-Revitalisierung ein Muss-Thema. Was bleibt, ist eine Branche, die sich ihrer eigenen Fehler bewusst ist – und die ihren Wettbewerb, wie in dieser Runde hörbar wurde, zunehmend kollegial austrägt.
49
Powered by FlippingBook