Alexandra Fischer „Logistik bildet das Rückgrat der Wirtschaft. Warum ist sie dann oft so negativ behaftet?“
Liefer- und Zeitdruck
Arbeitsplätze
Die Branche steht konstant unter Druck: Sendungen sollen immer schneller zugestellt werden – Same-Day-Delivery lautet die Devise. Alle Prozesse so schnell wie möglich in Gang zu setzen, führt zu Stresssituationen beim Personal und dies wiederum erhöht die Fehleranfälligkeit. Dabei gilt es, die 7R der Logistik optimal umzusetzen: Das richtige Gut soll in der richtigen Menge, am richtigen Ort, zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Qualität, für den rich- tigen Kunden und zu den richtigen Kosten verfügbar sein. Um rasche Zustellungen gewährleisten zu können, sind Lager- und Umschlagflächen in der Nähe von Ballungs- zentren – dort, wo die Ware benötigt wird – unerlässlich. Zudem hat sich der Anspruch auf Endkonsument:innen- seite etabliert, die Ware ohne zusätzliche Lieferkosten frei Haus zu erhalten, etabliert und der Druck auf die Kosten der Lagerflächen, Transportwege etc. wird weiter erhöht.
Logistik schafft Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wie bereits im Marktbericht 2025 thematisiert, steht insbesondere die Automotive-Branche unter Druck, der sich zuletzt nochmals verschärft hat. Die damit verbundenen Standortschließungen führen zu einer Freisetzung von Arbeitskräften. Eine direkte Nachnutzung dieser Kapazitäten durch die Verteidigungsindustrie, wie etwa in Deutschland beobachtbar, hat sich in Österreich bislang noch nicht gezeigt, bleibt jedoch ein potenzieller Zukunftspfad für entsprechende Flächen.
Flächenverfügbarkeit
Der Preistrend für Neubauflächen in A-Lagen dürfte sich moderat steigend fortsetzen. Gleichzeitig ist bei vakanten Bestandsflächen eine Preisanpassung nach unten zu erwarten, da die Nachbesetzung zu bisherigen bzw. index- ierten Mieten angesichts erreichter Mietobergrenzen zunehmend schwierig wird. Zudem steigt die Flächen- nachfrage durch asiatische Konzerne. Getrieben von ver- änderten globalen Zollstrukturen und der Suche nach Absatzmärkten expandieren E-Commerce und Industrie aus Asien verstärkt nach Europa. Dies zeigt sich am Bei- spiel Ungarns, wo BYD einen Produktionsstandort an- gesiedelt hat, sowie in Österreich, wo XPENG und GAC bei Magna Steyr in Graz mehrere Modelle fertigen lassen.
Umwelt
Waren werden mit Güterverkehr transportiert, der häufig als die Hauptquelle für Emissionen, Lärm und Staus ge- wertet wird. Teilweise werden sie in Logistikzentren zum Zweck der raschen Verfügbarkeit zwischengelagert und verteilt. Diese Art von Immobilien wird allgemein nur sel- ten in Architekturwettbewerben berücksichtigt und steht häufig in der Kritik, zur Versiegelung von Flächen und zum Verlust von Grünraum beizutragen. Tatsächlich werden Logistikflächen in den letzten Jahren aber meist auf Brownfields oder Brachflächen realisiert und tragen so zu einer sinnvollen Nutzung von Grund und Boden bei, der meist für andere Zwecke wenig bis nicht geeignet ist. Wir beobachten in diesem Kontext, dass sich die Preise für Brownfields und Brachflächen auf hohem Niveau bewe- gen. Eigentümer setzen häufig einen erheblichen Restwert für Bestandsgebäude an, auch wenn diese faktisch ab- bruchreif sind. In vielen Fällen ist dieser Ansatz jedoch überhöht, da die erforderlichen Rückbaukosten den Grundstückswert tatsächlich mindern müssten. Parallel zur immobilienseitigen Entwicklung befindet sich auch der Transportsektor im Wandel: Die Zukunft der Elektro-LKWs ist eingeläutet, steht jedoch noch am Anfang. Hier gibt es noch Potenzial nach oben – insbesondere bei der Lade- infrastruktur und leistbaren Zugmaschinen. Elektro- Sprinter hingegen werden zunehmend in der Last-Mile- Logistik eingesetzt. Die Österreichische Post hat zum Bei- spiel bereits einen Großteil ihrer Flotte umgestellt. Ange- sichts hoher Treibstoffkosten ist mit einem weiteren Anstieg elektrischer Fahrzeuge in der innerstädtischen Zustellung zu rechnen.
Conclusio
Die zentrale Erkenntnis lautet demnach, dass Logistik eine essentielle Rolle einnimmt und es an der Zeit ist, negative Vorurteile zu hinterfragen. Egal ob Luxusobjekte oder lebensnotwendige Medikamente: Logistik versorgt die Bevölkerung mit den benötigten und gewünschten Gütern und bleibt daher dauerhaft unverzichtbar, solange Kon- sum besteht. Flächen, die in den letzten Jahren nach neu- esten Standards mit Fokus auf energieeffiziente Gebäudestrukturen und größtenteils mit grüner Energie- versorgung errichtet wurden, werden sich daher sukzes- sive füllen. Dieser Optimismus hat sich auch im Gespräch beim Developer-Frühstück mit den führenden Entwicklern von Logistikflächen in Österreich und Europa gezeigt. In Regionen mit Optimierungsbedarf in der Versorgung werden weiterhin neue Logistikzentren entstehen, die veraltete Bestandsgebäude ersetzen und neue Nutzungen ermöglichen – der Kreislauf des Lebens.
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